kontaktraum

Stipendienprojekt von Charlotte Kaiser im Rahmen der TONALi Bühnenakademie 

kontaktraum ist eine Utopie, ein Labor, eine Metapher. Als Konzertformat, Workshop und offenes Atelier schafft das Projekt einen künstlerischen Begegnungsraum, welches in den Stufen ICH - DU - WIR die Besucher:innen dazu einlädt, sich in ihren eigenen Emotionen und Werten zu stärken, auf dieser Basis Nähe und Grenzen zu einem Gegenüber zu erfahren und anschließend eine Gemeinschaft bilden zu können.

Ein wichtiges Werkzeug des Projektes ist die Stille. Stille wird hierbei zum Resonanzraum, zum Spannungsfeld und zur Möglichkeit der Begegnung. Welche Bedürfnisse kommen auf, wenn ich mir selbst in Ruhe zuhöre? Welche Emotionen eröffnet ein gemeinsames Schweigen? Was wird durch die Stille laut? Was erwächst aus dem Nichts? In einer Welt, welche viele Menschen durch Informationsflut und permanentem Geräuschpegel überfordert, eröffnet Stille auch in sozialen Kontexten neue Perspektiven: Sie ermöglicht Innehalten und ein Aufeinandertreffen jenseits von Worten. Gleichzeitig sensibilisiert sie durch die Einladung zum bewussten (einander Zu-)Hören für Achtsamkeit im Geben und Nehmen von Raum im gesellschaftlichen und privaten Miteinander.

Diesem Miteinander wird sich in verschiedenen Projektphasen (Workshop, Konzert, Atelier) prozessorientiert genähert. Kern des Projektes ist die Verknüpfung von praktischem Handeln und künstlerischer Reflexion, welche sich wechselseitig beeinflussen. In der Workshophase wurde zunächst aktiv erprobt, wie auf Basis der eigenen Werte, Emotionen und Grenzen einem Gegenüber begegnet werden kann und daraus gemeinschaftliches Handeln entsteht. Durch die künstlerische Reflexion der Workshops entstand ein Konzertformat, welches im Juli in Hamburg im Rahmen des TONALi Festivals uraufgeführt wurde und das Atelier eröffnen wird.

kontaktraum möchte einen Beitrag leisten zu einer Kultur der Achtsamkeit: ein Gegenentwurf zu Beschleunigung, Überforderung und Vereinzelung. Stille wird zur Ressource – für künstlerische Entfaltung, für soziale Nähe, für die Suche nach neuen Formen des Zusammenlebens. 
 

 

Workshop

Das Projekt wurde eingeleitet mit einem zweitägigen Workshop zum Thema Begegnung. Zunächst wurden die Teilnehmenden mit Methoden aus Theaterpädagogik und Demokratiearbeit dazu eingeladen, mit sich selbst in Kontakt zu treten und ihre Grundwerte und Emotionen zu reflektieren. Auf dieser Basis fanden im Anschluss 1:1 Begegnungen statt, in denen Nähe und Grenzen zwischen uns und unserem Gegenüber durch Kontakt-improvisationen erforscht wurden. In der letzten Stufe entstand aus diesem Ich und Du ein Wir durch angeleitete Methoden aus kollektiver Arbeit, in welchen Privilegien und Bedürfnisse behandelt wurden. Ergänzt wurde der Workshop durch einen externen Input zum Thema des Theaters der Unterdrückten, um gesellschaftliche Aspekte in den Raum mit aufzunehmen.
 

Konzertperformance

Diese intensive Erfahrung wurde von Charlotte Kaiser (Mandoline) musikalisch und künstlerisch reflektiert und gemeinsam mit dem Ensemble aus Bas Van Damme (Countertenor), Timm Kornelius (Fagott) und Gabriele Basiliko (Kontrabass) in ein Konzertformat umgesetzt. Die Erfahrungen der Teilnehmenden und der Projektleitung wurden als Reflexionsfläche genutzt und durch das Ensemble in Emotionen und Gestus geschärft umgesetzt. Hieraus entstand ein Konzertformat, welches Räume von Stille und Begegnung thematisiert und sie auf Basis von Sensibilität und Zartheit mit der Perspektive der Musiker:innen verbindet. Das Konzert verwendet Alte und Neue Musik, Sprache, improvisatorische und performative Elemente. Ein besonderes Highlight ist die Zusammenarbeit mit Jakü Suermann (Kompositionsklasse Prof. Herrmann, HfM Saar), durch welche aus den Materialien der Workshops die weltweit erste Komposition für diese Besetzung enstand. Erstaufgeführt wird das Konzert im Juli beim TONALI-Festival Hamburg, in Saarbrücken kommt es im Rahmen des offenen Ateliers als Eröffnungskonzert des Projektes zur Aufführung.


Atelier

Zusammengeführt werden Workshop und Konzert in dem offenen Atelier, welches in Saarbrücken für einen Monat realen Raum schafft für gemeinsames und individuelles künstlerisches und gesellschaftliches Leben. Der Raum dient als Veranstaltungsort, Werkstattbühne, Co-Creation-Space und Begegnungsraum. Er lädt Kulturschaffende, Kulturinteressierte und lokale Gruppen aus der Nachbarschaft ein zum gemeinsamen kreativen Forschen und Präsentieren, zu Diskussion und Gegensätzen. Als offenes Atelier lädt es außerdem Laufpublikum ein, sich an einem Angebot an Klang- und Farbmaterial künstlerisch auszuprobieren, Kontakte in die Kulturlandschaft zu knüpfen und die eigene Teilhabe am gesellschaftlichen und privaten Leben zu inspirieren.

 

Das Projekt wird unterstützt durch TONALi Hamburg und die Landeshauptstadt Saarbrücken.

 

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